Eden

EDEN

Eden

EDEN

Die außergewöhnliche Geschichte einer Gruppe von Menschen, die Mitte der 1930er-Jahre alles hinter sich lässt, um ihr Glück auf den Galapagosinseln zu suchen.

Ab 03. April 2025 im Kino

Was tun, wenn man auf eine gottverlassene Insel zieht, auf der es weder Strom noch fließendes Wasser gibt – geschweige denn einen Supermarkt oder gar Krankenhäuser? Am besten vorbeugen: Durch das Ziehen sämtlicher Zähne braucht man zum Beispiel keinen Zahnarzt mehr. Dr. Ritter hat genau das getan, bevor er Mitte der 1930er-Jahre auf die Galapagosinseln übersiedelt. Dort will der Deutsche mit seiner an MS erkrankten Freundin Dore in absoluter Einsamkeit ein philosophisches Manifest verfassen – eine Schrift, die die Menschheit vor dem Untergang bewahren soll. Doch das Eremitendasein währt nicht lange, denn Anhänger seiner Lehre zieht es in das vermeintliche Paradies, um dem Lebensentwurf ihres Meisters zu folgen.

Eden

Da wäre zunächst der pflichtbewusste Weltkriegsveteran Heinz mit seiner jungen Frau Margret und seinem an Tuberkulose erkrankten Sohn. Bald darauf taucht eine kapriziöse Baronin mit zwei Liebhabern im Schlepptau auf, die ein Luxushotel „nur für Millionäre“ auf der Insel errichten will. Die anderen Bewohner sind ihr dabei nur im Weg. Dr. Ritter gefällt das alles gar nicht – aus anfänglicher Abneigung wird bald ein Kampf auf Leben und Tod.

Eden

Das Ungewöhnlichste an diesem ohnehin ungewöhnlichen Film ist der enorme Aufwand, der betrieben wurde, um eine Geschichte, Abseits des Mainstreams zu erzählen. Nicht nur führt mit Ron Howard ein Hollywood-Veteran Regie, der Film sieht auch visuell beeindruckend aus, und den Soundtrack komponierte kein Geringerer als Hans Zimmer. Dazu kommt eine hochkarätige Besetzung mit Jude Law, Daniel Brühl, Sydney Sweeney, Vanessa Kirby und Ana de Armas, die zwar keine besonders herausragende Schauspielerin ist, dafür aber sehr hübsch und ein bisschen wie die kleine Schwester von Gal Gadot aussieht.

Eden

Eine verrückte Geschichte, die nicht in einem öden Kunstfilm erzählt wird, sondern als aufwendig produzierte Hollywoodproduktion. EDEN ist ein fesselndes Drama über böse Menschen und wozu sie unter Druck fähig sind. Dass all das tatsächlich passiert ist, macht es umso faszinierender. Wirklich mal was anderes.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Eden“
USA 2024
129 min
Regie Ron Howard

Eden

alle Bilder © Leonine

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The Assassment

THE ASSESSMENT

The Assassment

THE ASSESSMENT

In der nahen Zukunft müssen Paare einen Test bestehen, bevor sie Kinder bekommen dürfen – eine Idee, die auch in der Prenzlauer-Berg-Realität sinnvoll erscheint.

Ab 03. April 2025 im Kino

„Companion“, „Baby to go“, „Dream Scenario“, „Little Joe“, „Press and play Love again“ und nun THE ASSESSMENT. Man möchte die Leser ja nicht mit dem einhundertzwanzigsten Vergleich zur britischen Serie „Black Mirror“ langweilen – aber was soll man machen, wenn mit THE ASSESSMENT der einhundertzwanzigste Film in die Kinos kommt, der sich wie eine Doppelfolge der dystopischen Serie anfühlt?

The Assassment

Mia (Elizabeth Olsen) und Aaryan (Himesh Patel) halten sich für die perfekten Eltern, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Während sie naturverbunden in einem Gewächshaus an Pflanzen experimentiert, zieht er sich regelmäßig in virtuelle Welten zurück, um dort möglichst lebensechte Haustiere zu erschaffen. Über ihre Eignung als Eltern entscheidet eine sogenannte „Gutachterin“. Virginia (Alicia Vikander) quartiert sich für sieben Tage bei den beiden ein und stellt ihnen unbequeme Fragen.

The Assassment

Eine der vielen cleveren Ideen des Films: Ab Tag zwei verhält sich Virginia wie ein Albtraum-Kleinkind – inklusive aller dazugehörigen Schrecken. Schließlich sollen Mia und Aaryan beweisen, dass sie auch in Stresssituationen die Nerven behalten. Alicia Vikander spielt diese nervtötende Göre im Erwachsenenkörper großartig.

The Assassment

Neben der starken Besetzung ist es vor allem das ungewöhnliche Setting, das THE ASSESSMENT zu einem besonderen Film macht. Statt in einer aalglatten Zukunftswelt spielt ein Großteil der Geschichte auf einer rauen, kanarisch anmutenden Insel in einem minimalistischen 60er-Jahre-Haus – gespickt mit modernem Hightech-Schnickschnack. Das Drehbuch nutzt dabei das Sci-Fi-Genre geschickt, um relevante Themen wie Klimawandel, Elternschaft und Elitedenken anzusprechen.

Problematisch ist allein das nicht enden Wollende. Der Film ist in sieben Kapitel unterteilt – eins pro Testtag. Eine ohnehin unglückliche Struktur, denn egal, wie spannend die Geschichte ist, das strikte Abarbeiten dieser Kapitel sorgt eher für Ermüdung. Immerhin überraschend: Nach dem siebten Kapitel ist nicht Schluss. Stattdessen beginnt fast ein neuer Film, das Setting wechselt, die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung. Das hätte locker für zwei „Black Mirror“-Folgen gereicht.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Assessment“
GB / Deutschland / USA 2024
114 min
Regie Fleur Fortuné

The Assessment

alle Bilder © capelight pictures

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Funny Birds

FUNNY BIRDS

Funny Birds

FUNNY BIRDS

Wenn Catherine Deneuve draufsteht und der Film im Original „Au fil des saisons“ heißt, erwartet man eine leichte, sommerliche Komödie. Falsch gedacht. FUNNY BIRDS ist eine Darmödie, die aus unerfindlichen Gründen in den USA spielt.

Ab 27. März 2025 im Kino

Laura (Andrea Riseborough) betreibt mitten im Nirgendwo eine Hühnerfarm. Doch als sie an Krebs erkrankt, muss sich ihre Tochter Charlie (Morgan Saylor) um die Tiere kümmern. Die hat allerdings ganz andere Pläne: Sie will Finanzwesen studieren und kann mit Biohühnern nichts anfangen. Dann taucht auch noch die französische Großmutter (Catherine Deneuve) auf, mit der die kranke Tochter noch ein Hühnchen zu rupfen hat (pun intended).

Funny Birds

Schlechte Drehbücher können manchmal von guten Schauspielern gerettet werden. Doch wenn dazu eine ideenlose Regie und ein uninspirierter TV-Look kommen – nun ja, selbst Madame Deneuve kann nicht zaubern. Die Geschichte dieser drei Frauen, die sich wiederfinden, annähern und lernen, sich zu lieben, hätte tiefgründig und bewegend sein können. Doch stattdessen verzettelt sich FUNNY BIRDS in einer uninteressanten Nebenhandlung über die Hühnerpest.

Funny Birds

Flache Dialoge, zähes Tempo und unglaubwürdige Entwicklungen tun ihr Übriges: So verwandelt sich die genervte Wirtschaftsstudentin, die das Landleben verabscheut, innerhalb weniger Tage in einen Voll-Öko. Die Mutter, zunächst als freigeistige Hippie-Seele gezeichnet, entwickelt plötzlich ein Problem mit Kiffen – und dass der Freund der 20-jährigen Tochter bei ihr übernachten will? Ausgeschlossen! Selbst eine Luftmatratze im Arbeitszimmer ist moralisch höchst bedenklich.

Funny Birds

Erstaunlich, dass es sich beim Regieduo Hanna Ladoul und Marco La Via um zwei erst 34-Jährige handelt. Ihr Film ist so zopfig und mutlos inszeniert, dass man eher einen kurz vor der Pension stehenden ZDF-Regisseur dahinter vermuten würde. Die überraschungsfreie Familiengeschichte bleibt in einem Austausch von Banalitäten stecken und wirkt über weite Strecken fade. Nichts fühlt sich echt an. FUNNY BIRDS bleibt ein flacher Fernsehfilm, der allenfalls für Hühner- und Deneuve-Fans zu empfehlen ist.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Au fil des saisons“
Belgien / Frankreich 2023
93 min
Regie Hanna Ladoul und Marco La Via

Funny Birds

alle Bilder © Filmwelt Verleihagentur

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The End

THE END

The End

THE END

Was passiert, wenn Schauspieler in theaterhaften Kulissen seltsame Dinge tun und dabei singen? Es entsteht – im besten Fall – Kunst.

Ab 27. März 2025 im Kino

Nach der großen Apokalypse: Eine reiche Familie lebt mit ein paar Freunden in einer Salzmine, abgeschottet in einem luxuriösen Bunker. Das ist so seltsam, wie es klingt. Man spielt „normales Leben“, hängt Kunstwerke auf, kocht, bastelt, feiert Neujahr. Der fünfundzwanzigjährige Sohn kennt nichts anderes, hat die Außenwelt noch nie gesehen. Als eines Tages ein junges Mädchen auftaucht, gerät das Gleichgewicht der Familie ins Wanken. Die scheinbare Idylle beginnt zu bröckeln.

The End

Trotz seines Titels ist THE END nahezu endlos. 149 Minuten stellen die Geduld der Zuschauer auf die Probe. Aber so ist das mit Kunst: Man muss sich auf sie einlassen, und manchmal auch aushalten. Das Problem ist, dass THE END nicht genug Story hat, um seine Laufzeit zu rechtfertigen.

The End

Obwohl die Ausgangssituation absurd genug ist, hätte dem Film ein Schuss Wahnsinn gutgetan. Stattdessen bleibt es eine fast konventionelle Tragikomödie – immerhin mit beeindruckenden Sets und einer Top-Besetzung: Tilda Swinton, sowieso immer gut, George Mackay, der junge Soldat aus „1917“, und der herausragende Michael Shannon.

The End

Dazwischen gibt es jede Menge Gesangseinlagen. Ob das nun Sinn ergibt oder nicht. Wer Adam Driver mit einer Holzpuppe auf dem Arm in „Annette“ hat singen hören, fragt nicht mehr nach Sinn oder Unsinn. Eine Wohltat immerhin: Die Songs in THE END sind zwar nicht besonders catchy, klingen aber endlich einmal nicht wie die generischen Musicalnummern der Disneyfilme.

The End

Regisseur Joshua Oppenheimer gibt hier sein Spielfilmdebüt. Bekannt wurde er durch seinen außergewöhnlichen und mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „The Act of Killing“ über die Massaker in Indonesien Mitte der 1960er-Jahre. Mit THE END wagt er ein Experiment, das nicht ganz aufgeht – aber definitiv mal etwas anderes ist. Ein Endzeit-Musical, nicht für Leute mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne zu empfehlen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The End“
Dänemark / Deutschland/ Irland / GB 2024
148 min
Regie Joshua Oppenheimer

The End

alle Bilder © MUBI

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Beating Hearts

BEATING HEARTS

Beating Hearts

BEATING HEARTS

Schon jetzt der beste Film des Jahres.

Ab 27. März 2025 im Kino

Alle paar Jahre kommt ein Film in die Kinos, bei dem einfach alles stimmt. „L’amour ouf“ (Originaltitel) ist so einer: Großartig gespielt, toller Soundtrack und – auch wenn man es mit Superlativen nicht übertreiben sollte – einer fantastischen Kamera!

Beating Hearts

Es geht um die Liebe – worum auch sonst? Nordfrankreich, in den 80er Jahren: Jackie, ein fleißiges Schulmädchen, und Clotaire, ein rebellischer Kleinganove, könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Jackie pflichtbewusst ihre Hausaufgaben macht, hängt Clotaire mit seinen Kumpels auf der Straße ab. Der Zufall führt die beiden Teenager zusammen, und sie verlieben sich Hals über Kopf. Doch als Clotaire für lange Zeit im Gefängnis landet, verlieren sie sich aus den Augen. Erst als Erwachsene treffen sie sich Jahre später wieder.

Beating Hearts

Zwischen Brutalität, Poesie und herzzerreißender Liebe erzählt BEATING HEARTS die Geschichte von Romeo und Julia – in einer modernen Variante. Der Film ist ein regelrechter Rausch: wild, leidenschaftlich, atemberaubend.

Beating Hearts

Regisseur Gilles Lellouche hat über zehn Jahre lang versucht, Neville Thompsons Roman zu verfilmen. Die Vorbereitungszeit zahlt sich aus. BEATING HEARTS ist durchdacht und präzise. Kein schlampiges Drehbuch, keine überflüssigen Szenen, dafür jede Menge originelle Einfälle und überraschende Wendungen.

Beating Hearts

Neben den etablierten Stars Adèle Exarchopoulos („Blau ist eine warme Farbe“) und François Civil („Die drei Musketiere“) überzeugen vor allem die jungen Darsteller Mallory Wanecque und Malik Frikah. Ihre Leistung ist schlicht sensationell.

Ein magisches, großes Kinoerlebnis. Ein Meisterwerk.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „L’amour ouf“
Frankreich 2024
160 min
Regie Gilles Lellouche

Beating Hearts

alle Bilder © STUDIOCANAL

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Riff Raff

RIFF RAFF

Riff Raff

RIFF RAFF

Ein Film, der wirkt, als hätte er jahrelang im Giftschrank gelegen und aus unerfindlichen Gründen doch noch den Weg ins Kino gefunden.

Ab 27. März 2025 im Kino

Es ist einer dieser Filme, bei denen im Abspann normalerweise „Alan Smithee“ als Pseudonym für den Regisseur steht. Erstaunlicherweise gibt es Dito Montiel wirklich. Die Existenz von RIFF RAFF lässt sich auf verschiedene Weise erklären: Vielleicht wurden die Beteiligten erpresst. Vielleicht haben Drehbuchautor, Regisseur und Produzent zusammen gekokst. Vielleicht mussten alte Knebelverträge erfüllt werden. Oder vielleicht gab es mal eine gute Version des Films – bevor untalentierte Leute den Director’s Cut in die Hände bekamen und ihn komplett zerhackten.

Riff Raff

Eine Familie will Silvester in ihrem Wochenendhaus verbringen. Alles schön gemütlich – bis der Sohn aus erster Ehe mitsamt schwangerer Freundin und der Ex-Frau des Vaters auf der Matte steht. Dummerweise hat er ein mordlustiges Gangsterduo im Schlepptau. Irgendjemand hat hier definitiv zu viele Tarantino- und Coen-Brothers-Filme gesehen. Aber clevere, wortgewandte Dialoge zu schreiben, ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht. Drehbuchautor John Pollono jedenfalls nicht. Dazu kommt ein miserables Timing und ein durch unelegante Rückblenden zerstückelter Erzählfluss.

Riff Raff

Bill Murray, Pete Davidson, Jennifer Coolidge und Ed Harris – man sollte meinen, dass die Zusammenarbeit so vieler talentierter Menschen zumindest ein halbwegs unterhaltsames Ergebnis hervorbringt. Doch RIFF RAFF fehlt es an Humor, Spannung und vor allem Originalität. Dass es trotzdem ein, zwei passable Gags gibt, bleibt bei so einer Besetzung nicht aus. Auch ein blinder Drehbuchautor findet mal ein Korn.

Bei Rotten Tomatoes hat RIFF RAFF eine 69 % positive Bewertung. Warum? Gibt es noch eine andere Version des Films?

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Riff Raff“
USA 2024
103 min
Regie Dito Montiel

Riff Raff

alle Bilder © Splendid Film

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Das Licht

DAS LICHT

Das Licht

DAS LICHT

Schon Kate Bush wusste: „Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht.“ Tom schmeißt für sein neues Werk die große Tykwer-Maschine an.

Ab 20. März 2025 im Kino

Pseudotiefsinnige Gespräche, märchenhafte Berlin-Realität im Dauerregen und ein kryptischer roter Faden – irgendwas mit Gespenstern und Flüchtlingen – sind die Versatzstücke dieses zwischen Kitsch, Blödsinn und Genialität schwankenden Films.

Das Licht

DAS LICHT erzählt von einer Berliner Familie im Zerfall. Tim (Lars Eidinger) und Milena (Nicolette Krebitz) leben entfremdet, ihre fast erwachsenen Zwillinge Frieda und Jon bewegen sich ebenfalls in eigenen Welten — Frieda mit politischen Aktionen, Jon in virtuellen Realitäten. Das Auftauchen der syrischen Haushälterin Farrah (Tala Al-Deen) verändert das Familiengefüge komplett.

Das Licht

Die Zutaten: viel – nein, sehr viel Dialog, eine Zeichentricksequenz, eine Musicaleinlage, die aussieht, als hätte ein Filmstudent versucht, „La La Land“ zu kopieren, und eine schamlos von der genialen Burberry-Kampagne (hier der Link zum Original) geklaute „Menschen-fliegen-durch-die-Luft“-Szene. Tykwer nimmt, was ihm gefällt und zitiert sich dabei selbst – dazwischen flackert eine geheimnisvolle Lampe. Hokus Pokus Fidibus. Nur Sinn ergibt das selten bis gar nicht. DAS LICHT ist das filmische Äquivalent zu einem bekifften WG-Diskussionsabend mit viel Alkohol und LSD-Trips, bei dem alle mal was sagen dürfen. Man kann sich darauf einlassen und Tykwers Mut bewundern – langweilig ist es jedenfalls nicht – oder sich einfach nur wundern. So oder so lässt es einen am Ende ratlos zurück.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
162 min
Regie Tom Tykwer

Das Licht

alle Bilder © X Verleih

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The Alto Knights

THE ALTO KNIGHTS

The Alto Knights

THE ALTO KNIGHTS

Was könnte besser sein als Robert De Niro in der Rolle eines Mafia-Bosses? Vielleicht zweimal Robert De Niro in der Rolle von zwei Mafia-Bossen?

Ab 20. März 2025 im Kino

Wie „Goodfellas“ und „Casino“ basiert auch THE ALTO KNIGHTS auf einer wahren Begebenheit. Im Mittelpunkt stehen zwei der mächtigsten Mafia-Bosse New Yorks der 1950er Jahre: Vito Genovese und Frank Costello (beide gespielt von Robert De Niro). Ehemals Kindheitsfreunde, werden sie später zu erbitterten Gegnern.

The Alto Knights

Natürlich ist De Niro so gut in der Rolle, dass man die Doppelbesetzung schnell akzeptiert. Schließlich hat er das schon tausendmal gespielt. Allerdings bleibt die Frage: Warum? Hatte sonst niemand Zeit? Oder war es genau diese Herausforderung, die die Rolle für den Oscarpreisträger erst interessant gemacht hat? Joe Pesci hätte Vito ebenso gut spielen können – zumal De Niro ihn mit dessen nörgeliger, unterdrückter Wut beinahe kopiert. Es gibt tatsächlich keinen zwingenden Grund für dieses Doppelte-Lottchen-Gimmick, denn die Figuren sind nicht einmal miteinander verwandt.

The Alto Knights

THE ALTO KNIGHTS fügt dem Genre nichts Neues hinzu. Ein schön altmodisch gemachter Gamgsterfilm mit leichtem Hang zur Übererklärung: Regisseur Levinson irritiert mit dem Kunstgriff, Dialoge zu wiederholen – so, als wolle er sicherstellen, dass auch wirklich jeder verstanden hat, worum es geht. Bei der zunehmenden Aufmerksamkeitsstörung des heutigen Publikums vielleicht keine schlechte Idee.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Alto Knights“
USA 2025
123 min
Regie Barry Levinson

The Alto Knights

alle Bilder © Warner Bros. Pictures Germany

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Schneewittchen

SCHNEEWITTCHEN

Schneewittchen

SCHNEEWITTCHEN

Warum SCHNEEWITTCHEN ein starkes Plädoyer für die Abschaffung von Social Media ist.

Ab 20. März 2025 im Kino

Na gut, vielleicht nicht der Film selbst, aber das Drumherum. Das sinnlose Aufregen über Nichtigkeiten und die ungefilterte Meinung aller dazu nervt. Zum Beispiel: Obwohl die Brüder Grimm 1812 in ihrem Märchen klar und deutlich schreiben, dass Schneewittchens Haut „so weiß wie Schnee“ sei, erdreistet sich Disney 2025, die Titelrolle mit einer leicht pigmentierten Latina-Schauspielerin zu besetzen. Skandal! Finden jedenfalls die Trolle im Internet. Eine lachhafte Diskussion über Hautfarbe entbrennt noch bevor die Dreharbeiten begonnen haben.

Den nächsten vermeintlichen Aufreger bringt dann Hauptdarstellerin Rachel Zegler mit der Aussage, die Disney-Zeichentrickvorlage von 1937 sei sexistisch und nicht mehr zeitgemäß. Denn das Frauenbild von der zarten Prinzessin, die vom holden Prinzen gerettet werden muss, sei alles andere als modern. Wo sie recht hat, hat sie recht. Für die Internetgemeinde trotzdem ein Grund, Zegler für ihre Kritik am Klassiker mit Hass und Häme zu überschütten.

Schneewittchen

Dass die sieben Zwerge nicht von echten Kleinwüchsigen gespielt werden, regte dann den kleinwüchsigen Schauspieler Peter Dinklage gehörig auf – die Darstellung „von sieben Zwergen, die in einer Höhle leben“, sei rückwärtsgewandt. Lieber Peter, it’s a fairy-tale. Das sollte jemand, der den auf Svartalfheim lebenden, Schwerter schmiedenden Riesenzwerg Eitri in „Avengers: Infinity War“ spielt, wissen.

Und die Forderung der israelischen Schauspielerin Gal Gadot, die Hamas-Geiseln freizulassen, war dann die nächste Schnappatmungs-Schlagzeile – die zwar rein gar nichts mit dem Film zu tun hat, aber gut in das gesamtschwurblerische Weltbild der Wutbürger passt.

Schneewittchen

Halten wir fest: Social Media war vielleicht mal eine gute Idee, ist aber mittlerweile zu einem Terrorinstrument geworden. Bei SCHNEEWITTCHEN ist Disney inzwischen so panisch, dass kaum Werbung für den Kinostart gemacht wird: Bloss nicht noch irgendwen verärgern. Und der Film? Ist eine komplette Plastikproduktion, die so auch als Werbefilm für den neuesten Ride in Disney-World laufen könnte. Bei dem künstlichen Aussehen der computergenerierten Sets und Figuren (die sieben Zwerge und zahllose putzige Waldbewohner stammen aus dem Rechner) fragt man sich, warum die Diskussion um KI so hysterisch geführt wird – der Weg zu überzeugendem Realismus scheint noch weit. Konsequent, dass auch die echten Schauspieler durchweg wie geairbrusht aussehen.

Schneewittchen

Das Beste an SCHNEEWITTCHEN ist seine Hauptdarstellerin Rachel Zegler. Ansonsten bietet der Film nicht eine neue visuelle Idee, dafür unheimlich aussehende Computerzwerge. Die Songs klingen wie tausend andere Musicalsongs vor ihnen – glattgebügelter Mainstream in Reinform. Jede Generation hat die Märchen, die sie verdient. So gesehen passt die zu Tode gefilterte Disney-Neuverfilmung perfekt in unsere TikTok-Zeiten.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Snow White“
USA 2025
108 min
Regie Marc Webb

Schneewittchen

alle Bilder © The Walt Disney Company Germany

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Niki de Saint Phalles

NIKI DE SAINT PHALLE

Niki de Saint Phalles

NIKI DE SAINT PHALLE

Als „Terroristin der Kunst“ schreibt Niki de Saint Phalle Geschichte. Jetzt kommt ein Biopic über die Schöpferin der berühmten „Nana“-Figuren in die Kinos.

Ab 20. März 2025 im Kino

Berühmt wurde sie mit einer weißen Leinwand und einem Gewehr: Indem sie auf ihre eigenen Werke schoss, hinter der Leinwand versteckte Farbbeutel zum Platzen brachte und die Farbe „ausbluten“ ließ, schuf sie provozierende Kunstaktionen. Genial und radikal zugleich. Bildhauerin, Malerin, Illustratorin, Filmemacherin, Schauspielerin, Model – Niki de Saint Phalle war ein wahres Multitalent. Doch der Weg zu ihrem künstlerischen Durchbruch war steinig und geprägt von persönlichen Herausforderungen.

Niki de Saint Phalles

Fast ihr ganzes Leben ist überschattet von inneren Kämpfen, ausgelöst von traumatischen Kindheitserlebnissen. Erst 1994, wenige Jahre vor ihrem Tod, offenbart sie in einem Buch den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater – ein erschütterndes Ereignis, das ihre Jugend zerstört und die erwachsene Frau immer wieder ins Bodenlose stürzen lässt.

Niki de Saint Phalles

Ein Besuch in einem Museum ohne Bilder: keine Nanas, keinen Jardin des Tarots in der Toskana, keine Shooting Paintings. Der Film NIKI DE SAINT PHALLE zeigt kein einziges ihrer ikonischen Kunstwerke. Eine zwiespältige Entscheidung. Besonders weil die großformatigen Skulpturen so monumental und farbenfroh sind – also wie geschaffen für opulente Kinobilder.

Niki de Saint Phalles

Stattdessen hat Regisseurin Céline Sallette ein eher konventionelles, stellenweise etwas langatmiges Biopic gedreht, das bedauerlicherweise genau dort endet, wo es künstlerisch spannend wird. Was den Film trägt, sind die exzellenten Darstellerleistungen, allen voran die kanadische Schauspielerin Charlotte Le Bon in der Titelrolle.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Niki“
Frankreich / Belgien 2024
98 min
Regie Céline Sallette

Niki de Saint Phalles

alle Bilder © Neue Visionen Filmverleih

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The Last Showgirl

THE LAST SHOWGIRL

The Last Showgirl

THE LAST SHOWGIRL

Wenig glamourös: Pamela Anderson überzeugt als alterndes Las-Vegas-Showgirl

Ab 20. März 2025 im Kino

Der amerikanische Traum ist tot – ebenso wie die letzte Showgirl-Revue in Las Vegas. Drei Jahrzehnte lang hat Shelly (Pamela Anderson) in Federn und Strass das Tanzbein geschwungen. Doch der Geschmack des Publikums hat sich verändert, und die „Razzle Dazzle Show“ steht kurz vor dem Aus. Eine Gelegenheit für Shelly, mit ihrer besten Freundin Annette (Jamie Lee Curtis) und zahlreichen selbstgemixten Margaritas über die Ungerechtigkeiten des Lebens zu philosophieren. Doch dann steht eines Tages Shellys entfremdete Tochter vor der Tür und fordert eine Aussprache.

The Last Showgirl

Vor genau dreißig Jahren kam der Film „Showgirls“ in die Kinos. Gia Coppolas THE LAST SHOWGIRL hat damit etwa so viel gemeinsam wie das Literarische Quartett mit dem Dschungelcamp. Während Verhoevens Film aus den 1990er-Jahren Trash in Reinkultur war, ist THE LAST SHOWGIRL eine anspruchsvolle, manchmal auch fordernde Auseinandersetzung mit den Tiefen der amerikanischen Seele.

The Last Showgirl

Die lose Erzählstruktur, durchbrochen von Musiksequenzen, in denen sich Pamela Anderson durch das glitzernde Sonnenlicht von Las Vegas treiben lässt, verleiht dem Film den Charme eines kunstvollen Studentenprojekts. Allerdings eines mit hochkarätiger Besetzung: David Bautista – hier mit Haaren und ungewohnt sensibel –, Kiernan Shipka, die als junge Tänzerin eine deutlich bessere Figur macht als zuletzt in der Rolle der bösen Hexe im Weihnachts-Schundfilm „Red One“, Jamie Lee Curtis, dank Perücke und Grusel-Make-up erst auf den zweiten Blick zu erkennen und natürlich Pamela Anderson: Wie Demi Moore kürzlich in „Substance“, hat auch die ewige Ex-Baywatch-Nixe und bekennende Make-up-Verweigerin (zumindest im Privatleben) in THE LAST SHOWGIRL endlich eine Charakterrolle gefunden, die sie als ernstzunehmende Schauspielerin etabliert.

The Last Showgirl

Inszenatorisch läuft Coppolas Film nicht ganz rund. Bei einer erstaunlich kurzen Laufzeit von 85 Minuten stellt sich zwischendurch immer wieder Langeweile ein – denn allzu viel passiert nicht. Der Film ist mehr eine Beobachtung sozialer Realitäten im Stil des modernen US-Kinos als ein klassisch erzähltes Drama. Dennoch lohnt sich das Anschauen vor allem wegen der Schauspielerinnen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Last Showgirl“
USA 2024
85 min
Regie Gia Coppola

The Last Showgirl

alle Bilder © Constantin Film

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Köln 75

KÖLN 75

Köln 75

KÖLN 75

Es ist das meistverkaufte Soloalbum eines Jazzmusikers: The Köln Concert von Keith Jarrett. Vor genau 50 Jahren entstand die legendäre Aufnahme, die in keinem gut sortierten Intellektuellenhaushalt fehlen darf. Nun bringt der Spielfilm KÖLN 75 unter der Regie von Ido Fluk die Geschichte hinter dem Konzert auf die Leinwand – oder besser gesagt: das, was davor geschah.

Ab 13. März 2025 im Kino

Wer sich allerdings auf Szenen des eigentlichen Konzerts freut, wird enttäuscht: Statt entrückter Klavierklänge gibt es nur die turbulenten Vorbereitungen und jede Menge Beinahekatastrophen zu sehen. Denn von Jarretts Köln Concert hört man im gesamten Film genau: nichts. Stattdessen dreht sich alles um die schier endlosen Herausforderungen, die die 18-jährige Veranstalterin Vera Brandes (Mala Emde) bewältigen muss.

Köln 75

Gegen den ausdrücklichen Willen ihres Vaters (Ulrich Tukur) und auf eigenes Risiko wagt sich Vera an die Mammutaufgabe, ein Konzert des Jazzgenies Keith Jarrett (John Magaro) in der Kölner Oper zu organisieren. Doch alles, was schiefgehen kann, geht schief. Anstelle des geforderten Bösendorfer Imperial Konzertflügels steht ein kleiner, verstimmter Stutzflügel bereit – mit klemmendem Pedal und kaputten Tasten. Jarrett droht mit Absage.

Köln 75

Der Film erzählt letztlich zwei (fast wahre) Geschichten. Die erste, die von Vera, bietet solides Unterhaltungskino – konventionell inszeniert, mit stellenweise etwas zu aufdringlich ausgestatteten 70er-Jahre-Kulissen. Die zweite, über den Ausnahmekünstler Keith Jarrett, ist deutlich spannender. Jarrett, pleite und von Rückenschmerzen geplagt, tourt mit seinem Manager in einem klapprigen Auto durch Europa. Begleitet wird er vom amerikanischen Journalisten Michael Watts (Michael Chernus), der unbedingt ein Interview führen möchte.

Köln 75

Besonders eindrucksvoll: eine fulminante Szene, in der Watts die vierte Wand durchbricht und im Schnelldurchlauf den Zuschauern erklärt, was „Jazz“ eigentlich ist – und warum Keith Jarrett ein absolutes Genie ist. Allein für diese Sequenz lohnt sich der Film.

KÖLN 75 schwankt zwischen zwei unterschiedlichen Tonlagen. Trotz der stilistischen Unentschlossenheit: sehenswert.

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Deutschland / Belgien / Polen 2024
116 min
Regie Ido Fluk

Köln 75

alle Bilder © Alamode Film

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Die Schattenjäger

DIE SCHATTENJÄGER

Die Schattenjäger

DIE SCHATTENJÄGER

Spionagethriller steht drauf, Psychogramm ist drin. Preisgekrönter Film über die Folteropfer des Assad-Regimes.

Ab 13. März 2025 im Kino

Assad-Regime? War da was? Man könnte Jonathan Millet bedauern, dass sein Film ausgerechnet jetzt in die Kinos kommt, wo der mörderische Diktator und seine Schergen in die Flucht geschlagen wurden. Doch das wäre zu oberflächlich, denn DIE SCHATTENJÄGER handelt von den Spätfolgen.

Die Schattenjäger

Eine Gruppe syrischer Flüchtlinge hat ein geheimes Netzwerk gegründet. Ihr Ziel: die untergetauchten Kriegsverbrecher ausfindig zu machen und sie vor Gericht zu stellen. Der junge Hamid glaubt, in einem Kommilitonen an der Universität seinen früheren Folterer zu erkennen. Da er nur dessen Stimme und Geruch kennt, muss er sich allein auf seine Intuition verlassen. Doch was ist Wahrheit, was Einbildung?

Die Schattenjäger

Agenten, die aus dem Untergrund agieren, um Bösewichte zur Strecke zu bringen? Aus diesem Stoff hätte sich genauso gut ein actionreicher James-Bond-Film machen lassen. Regisseur Jonathan Millet interessiert sich jedoch mehr für das gebrochene Innenleben seines Protagonisten (sensationell: Adam Bessa). Statt Autojagden und geschütteltem Martini gibt es einen slow burner, der weniger an 007 und mehr an die Nazijäger Beate und Serge Klarsfeld oder Simon Wiesenthal erinnert.

Die Schattenjäger

DER SCHATTENJÄGER ist ein langsam – um nicht zu sagen: sehr langsam – erzählter Film, der, obwohl wenig passiert, einen starken Sog entwickelt. Ein leiser Spionagethriller ohne Sensationslust. Spannend.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Les Fantômes“
Frankreich 2024
105 min
Regie Jonathan Millet

Die Schattenjäger

alle Bilder © IMMERGUTEFILME

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Für immer hier

FÜR IMMER HIER

Für immer hier

FÜR IMMER HIER

Brasilien hat eine bewegte und teils unrühmliche Geschichte. In FÜR IMMER HIER geht es um ein besonders düsteres Kapitel: Die Militärdiktatur der 1970er-Jahre.

Ab 13. März 2025 im Kino

Das Leben könnte dank Haus am Strand und Kindermädchen kaum besser sein. Der Vater erfolgreicher Architekt, die Mutter eine selbstbewusste Frau, drei Töchter, ein Sohn plus Hund. Schwimmen, Partys, Tischfußball. Doch dann der Riss: Bewaffnete Regierungsbeamte stehen vor der Tür, durchsuchen die Wohnung, nehmen den Vater mit zum Verhör. Kurz darauf werden auch die Mutter und eine der Töchter ins Gefängnis verschleppt. Die Befragung streckt sich erst über Stunden, dann über Tage. Danach ist nichts mehr, wie es war.

Für immer hier

Die Vorlage liefert Marcelo Rubens Paivas Bestseller „Ainda estou aqui“. Im MIttelpunkt steht die Mutter, Eunice, hervorragend gespielt von Fernanda Torres. Walter Salles Film nimmt sich alle Zeit der Welt, das Familienleben davor zu zeigen. Umso härter trifft dann die Katastrophe.

Für immer hier

Die Willkür, die Gewalt, die Ungerechtigkeit – es macht auch 50 Jahre später noch wütend. Das Ganze ist noch schwerer auszuhalten, da es sich bei FÜR IMMER HIER um eine wahre Geschichte handelt. Bis 1985 dauerte die Militärdiktatur, erst dann wurde Brasilien zu einer Demokratie.

Für immer hier

FÜR IMMER HIER ist schon wieder ein Film, bei dem man die letzte halbe Stunde schwänzen sollte. Der wie drangehängt wirkende letzte Akt ist eine brave Pflichterfüllung gegenüber der Realität, denn das Leben ging natürlich weiter: Es folgt ein Abhaken – dann passierte das, dann das und dann das. Zusätzlich irritieren neue Darsteller, die die mittlerweile erwachsenen Kinder spielen. Der Anfangs beeindruckende Film wird gegen Ende leider schwach.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Ainda estou aqui“
Brasilien 2025
137 min
Regie Walter Salles

Für immer hier

alle Bilder © DCM

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Mickey 17

MICKEY 17

Mickey 17

MICKEY 17

Bong Joon-hos neuer Film: Der ganz große Wurf wie der Oscar-gekrönte „Parasite“ ist es nicht geworden.

Ab 06. März 2025 im Kino

Der Regisseur kehrt zu seinen Wurzeln zurück und hat mit MICKEY 17 eine Science-Fiction-Groteske gedreht, die an seinen Film „Snowpiercer“ erinnert. Jonn-hos neuer Film ist eine Abrechnung mit Kolonialismus und falschen Führern. Dabei beweist die Satire viel Mut zum Klamauk und hat Freude am feisten Blockbusterkino.

Mickey 17

♻️ Recycling 2.0: Mickey Barnes ist ein sogenannter „Expendable“ – ein Typ, der bei lebensgefährlichen Aufgaben im Weltraum stirbt und danach als Klon einfach neu ausgedruckt wird. Siebzehn Mal schon. Als das Kolonistenschiff Drakkar den eisigen Planeten Niflheim erreicht, stürzt Mickey 17 in eine Gletscherspalte – und wird von einer Alien-Lebensform gerettet. Zurück an der Basis macht er eine schockierende Entdeckung: Mickey 18, sein frisch gedruckter Klon, liegt im Bett seiner Freundin.

Mickey 17

Robert Pattinson spielt die vielen Mickeys grandios, überzeugt als luschiges Sensibelchen genauso wie als Psychopath. Ein echtes Highlight sind Toni Collette und Mark Ruffolo als machtgeiles Herrscherpaar mit starker Anlehnung an einen gerade wiedergewählten Präsidenten. 

Mickey 17

Ein paar Längen gibt es zwischendurch, und nicht jeder Gag zündet – aber die Gesellschaftssatire im Vollgasmodus macht größtenteils Spaß.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Mickey 17“
USA / Südkorea 2024
137 min
Regie Bong Joon-ho

Mickey 17

alle Bilder © Warner Bros. Entertainment Inc.

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Bridget Jones - Verrückt nach ihm

BRIDGET JONES – VERRÜCKT NACH IHM

Bridget Jones - Verrückt nach ihm

BRIDGET JONES – VERRÜCKT NACH IHM

Bridget Jones wagt es wieder: Nach dem schwachen dritten Teil kehrt die liebenswerte Chaotin mit einer sehenswerten Fortsetzung zurück.

Ab 27. Februar 2025 im Kino

BRIDGET JONES – VERRÜCKT NACH IHM überrascht mit einer Geschichte, die sich nicht ums Kalorienzählen oder ständige Fettnäpfchen dreht, sondern um das Weiterleben nach dem Verlust einer großen Liebe. Ein mutiges Thema für eine romantische Komödie – funktioniert aber.

Bridget Jones - Verrückt nach ihm

Bridget steht nach dem Tod ihres Ehemanns Mark Darcy allein mit ihren beiden Kindern da. Zwischen Lunchboxen, Hausaufgaben und beruflichen Herausforderungen versucht sie, den Alltag zu meistern. Freunde wie ihr Ex-Liebhaber Daniel Cleaver stehen ihr zur Seite, und wie es sich für eine moderne Frau gehört, wagt sie sich auf Dating-Apps. Kurz darauf lernt sie den deutlich jüngeren Roxster kennen – und natürlich gibt es bald noch einen zweiten Mann in ihrem Leben.

Bridget Jones - Verrückt nach ihm

Dass Trauer und Verlust eine Komödie tragen können, mag auf den ersten Blick überraschen. Doch VERRÜCKT NACH IHM schafft es, das Thema sensibel und mit feinem Humor zu behandeln. Das funktioniert vor allem, weil Bridgets Leben als Mutter und Frau in den Fünfzigern halbwegs realistisch gezeigt wird.

Die Rolle passt wie angegossen: Renée Zellweger spielt Bridget erneut mit dem richtigen Maß an Schusseligkeit und Verletzlichkeit. Hugh Grant und Emma Thompson sorgen in Nebenrollen für die besten Momente.

Bridget Jones - Verrückt nach ihm

Natürlich ist VERRÜCKT NACH IHM kein revolutionärer Film. Die schrulligen Figuren und das typisch britische Setting bedienen weiterhin das Erfolgsrezept, das schon seit „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ oder „Tatsächlich Liebe“ funktioniert. Bewährtes muss ja nichts Schlechtes sein.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Bridget Jones: Mad About the Boy“
GB 2025
125 min
Regie Michael Morris

Bridget Jones - Verrückt nach ihm

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

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Like A Complete Unknown

LIKE A COMPLETE UNKNOWN

Like A Complete Unknown

LIKE A COMPLETE UNKNOWN

Der eine ist gerade mal 19, als er 1960 aus Minnesota mit Gitarre und viel Talent nach New York aufbricht. Der andere ist der meistbeschäftigte Schauspieler seiner Generation. Timothée Chalamet macht als Bob Dylan nicht nur gesanglich eine gute Figur.

Ab 27. Februar 2025 im Kino

Man sollte schon ein großer Dylan-Fan sein, denn LIKE A COMPLETE UNKNOWN ist einfach strukturiert: ein bisschen Dialog, ein Song, ein bisschen Dialog, ein Song – und so weiter, ganze 140 Minuten lang. Zwischendurch erinnert das an ein „Best of Dylan“-Album im Kinoformat.

Like A Complete Unknown

Das Biopic vermittelt ungefähr so viel über den Menschen Dylan, wie es der echte Dylan selbst tut: nämlich nix. Aber als Musikfilm mit großartigen Schauspielern punktet LIKE A COMPLETE UNKNOWN: Edward Norton als Pete Seeger, Monica Barbaro als Joan Baez und Boyd Holbrook als Johnny Cash sind hervorragend.

Like A Complete Unknown

Richtig gut ist natürlich vor allem Timothée Chalamet. Nicht umsonst wird er gerade für so ziemlich jeden Schauspielerpreis gehandelt. Vielleicht sieht er ein bisschen niedlicher als das Original aus, aber der müde Blick und vor allem der Gesang sind auf den Punkt. Chalamet sing selbst und klingt dabei exakt wie das Original.

Like A Complete Unknown

Regisseur James Mangold hat schon in „Walk the Line“und „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ bewiesen, dass er ein gutes Händchen für das Wiederbeleben vergangener Zeiten hat. Die makellose Ausstattung und die computergenerierten Sets machen die Illusion perfekt – als Zuschauer vergisst man glatt, dass das schmuddelige New York dieser Zeit längst Geschichte ist.

Like A Complete Unknown

Rätselhaft bleibt, weshalb der Filmtitel in Deutschland um ein „Like“ ergänzt wurde. Im Original schlicht „A Complete Unknown“, soll das wohl an eine Zeile aus Dylans Jahrhunderthit „Like a Rolling Stone“ erinnern. Wer das versteht, muss wirklich ein Fan sein.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „A Complete Unknown“
USA 2025
140 min
Regie James Mangold

Like A Complete Unknown

alle Bilder © The Walt Disney Company Germany

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Berlinale 2025 - Tag 8

BERLINALE 2025 – TAG 8

Berlinale 2025 - Tag 8

BERLINALE 2025 – TAG 8

Steht der Potsdamer Platz für den Zustand der Berlinale? Die ewige Baustelle des Sony Centers wird irgendwann (ohne Kinos) wiedereröffnet. The Playce ist ein Ort des Grauens. Der Walk of Stars: verschmutzt und kaputt. Die Deutsche Kinemathek: Geschichte. Das Arsenal: bald auch. Dafür dient das Blue-Man-Group-Theater als neue Spielstätte. Achtung, Todesgefahr! Dass hier in den letzten Jahren niemand beim Ersteigen der fast senkrecht angebrachten Sitzreihen verunglückt ist, grenzt an ein Wunder. Es braucht eine neue Idee, einen neuen Ort. Vielleicht sogar einen kompletten Neustart: Die Berlinale im Sommer? Eine Zeit, in der sich die Stadt ohnehin von ihrer besten Seite zeigt. Man könnte sogar Abends nach dem letzten Film noch draußen sitzen und sich das Programm schön trinken...

Wettbewerb

LA CACHE

LA CACHE

The Safe House

Mai 1968 in Paris: Während das Land im Chaos versinkt, genießt ein kleiner Junge mit einer Schwäche für Erdbeertörtchen das bunte Treiben bei seinen exzentrischen Verwandten. Zwischen einem Künstler-Onkel, einer glamourösen Urgroßmutter und seinen liebevollen Großeltern wird nicht nur Tee serviert, sondern auch fleißig über die Vergangenheit sinniert. Die Eltern? Die demonstrieren irgendwo fürs große Ganze. LA CACHE ist die beeindruckende Adaption des gleichnamigen Romans von Christophe Boltanski.

Die Franzosen müssen es mal wieder richten. So sollen Wettbewerbsfilme aussehen: eine spannende Geschichte, ideenreich inszeniert, politisch, warmherzig, klug und grandios besetzt. Allen voran die Großeltern, gespielt von Dominique Reymond und Michel Blanc, der hier in seiner letzten Rolle zu sehen ist. LA CACHE ist ein Lichtblick im ansonsten trüben Wettbewerb.

INFOS ZUM FILM

Schweiz / Luxemburg / Frankreich 2025
90 min
Regie Lionel Baier
Bild © Véronique Kolber

Wettbewerb

Geu jayeoni nege mworago hani

GEU JAYEONI NEGE MWORAGO HANI

What Does that Nature Say to You

Da isser wieder. Es ist ja schon alles gesagt zu Hong Sangsoo. Hier nochmal nachzulesen: „The Woman Who Ran“ (2020), „Introduction“ (2021), „Die Schriftstellerin, ihr Film und ein glücklicher Zufall“ und „A Traveller’s Need“ (2024). Der Wettbewerbsfilm 2025 steht seinen Vorgängern in nichts nach.

Donghwa besucht mit seiner Freundin Junhee deren Elternhaus und staunt über das beeindruckende Anwesen. Während eines Tages voller Gespräche und Begegnungen geraten verschiedene Beziehungen der Anwesenden ins Wanken — von familiären bis romantischen Verbindungen. Beim Abendessen verliert Donghwa betrunken seine Fassung, was Junhees Eltern schockiert, aber ihre Schwester amüsiert.

Eine letzte Frage noch: Warum sehen Sangsoos Filme 2025 immer noch aus, als hätte man sie mit einer alten Ikegami aus den 90er-Jahren gedreht? Die einleuchtende Erklärung des Regisseurs: Der unscharfe Look ist gewollt, denn so sieht Donghwa die Welt, wenn er seine Brille abnimmt. Jesus.

INFOS ZUM FILM

Südkorea 2025
108 min
Regie Hong Sangsoo
Bild © Raluca Munteanu

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Berlinale 2025 - Tag 7

BERLINALE 2025 – TAG 7

Berlinale 2025 - Tag 7

BERLINALE 2025 – TAG 7

Ein flüchtiger Blick ins Innenleben: müde.

Wettbewerb

KONTINENTAL 25

KONTINENTAL '25

KONTINENTAL 25 spielt in Transsilvanien, einem Land, von dem man nie so genau weiß, ob es wirklich existiert. Aber Vampire soll es da geben. Dracula hat allerdings wenig mit der folgenden Geschichte zu tun: Weil ein Obdachloser seinen Schlafplatz verliert, begeht er Selbstmord. Die Gerichtsvollzieherin Orsolya fühlt sich schuldig, kämpft mit ihrem schlechten Gewissen. Halb Drama, halb Komödie seziert KONTINENTAL ’25 Themen wie Wohnungsnot, Nationalismus und das schlechte Gewissen der Wohlhabenden.

Der Gewinnerfilm der Berlinale 2021, „Bad Luck Banging or Loony Porn“, war eine echte Überraschung – böse, witzig und dann auch noch aus Rumänien. Ein Land, das man nicht unbedingt für seine blühende Filmszene auf dem Schirm hat. Nun läuft das neue Werk von Radu Jude im Wettbewerb: KONTINENTAL 25 sieht aus, als wäre er mit einem iPhone gedreht worden, bei dem der Autofokus kaputt ist. Es wird ununterbrochen gequasselt, meist erzählt Hauptfigur Orsolya die immergleiche Geschichte. Dazwischen philosophiert einer ihrer ehemaligen Schüler über den Buddhismus. Der Film hat (wenige) starke Momente, und das intellektuelle Publikum wird ihn lieben. Gewinnt garantiert einen Preis – hoffentlich nicht für die beste Kamera. Hab‘s gehasst.

INFOS ZUM FILM

Rumänien 2025
109 min
Regie Radu Jude
Bild © Jeonwonsa Film Co.

Wettbewerb

YUNAN

YUNAN

Munir (Georges Khabbaz) leidet unter Atemnot und Panikattacken. Der Arzt rät zu einer Auszeit. Bei einem Kurzurlaub auf den Halligen soll er zu Kräften kommen. In der Pension von Valeska (Hanna Schygulla) und ihrem sperrigen Sohn Kurt findet er eine Bleibe. Doch bald fegt ein Sturm übers Land. Währenddessen erinnert sich Munir an das Märchen vom Schafhirten und seiner Frau.

Halbwegs interessant wird es erst gegen Ende. Das Highlight des bis dahin stinklangweiligen Films: das laut vernehmbare Gähnen eines Zuschauers in der hinteren Reihe. Ansonsten Ratlosigkeit über einen Mann, der zwischen Kühen und Schafen vor sich hinstarrt. Bleibt die Erkenntnis: Hanna Schygulla ist zwar „’ne echte Type“ und ein Juwel des deutschen Films, aber leider keine besonders gute Schauspielerin.

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Deutschland / Kanada / Italien / Palästina / Katar / Jordanien / Saudi-Arabien 2025
124 min
Regie Ameer Fakher Eldin
Bild © Red Balloon Film, Productions Microclimat, Intramovies

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Wettbewerb

YUNAN

YUNAN

Munir reist auf eine entlegene Insel, um eine extreme Entscheidung zu durchdenken. Dabei kehren seine Gedanken immer wieder zu einer rätselhaften Parabel zurück, die ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben hat. In der Stille seines einsamen Insel-Rückzugs begegnet er der geheimnisvollen Valeska (Hanna Schygulla) und ihrem vorlauten, aber ihr eng verbundenen Sohn Karl. Obwohl sie nur wenige Worte miteinander wechseln, gelingt es mit kleinen Akten der Freundlichkeit, das gegenseitige Misstrauen zu überwinden. Munirs schwere Last wird allmählich leichter und sein Lebenswille erwacht wieder.

INFOS ZUM FILM

Deutschland / Kanada / Italien / Palästina / Katar / Jordanien / Saudi-Arabien 2025
124 min
Regie Ameer Fakher Eldin
Bild © Red Balloon Film, Productions Microclimat, Intramovies

Wettbewerb

YUNAN

YUNAN

Munir reist auf eine entlegene Insel, um eine extreme Entscheidung zu durchdenken. Dabei kehren seine Gedanken immer wieder zu einer rätselhaften Parabel zurück, die ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben hat. In der Stille seines einsamen Insel-Rückzugs begegnet er der geheimnisvollen Valeska (Hanna Schygulla) und ihrem vorlauten, aber ihr eng verbundenen Sohn Karl. Obwohl sie nur wenige Worte miteinander wechseln, gelingt es mit kleinen Akten der Freundlichkeit, das gegenseitige Misstrauen zu überwinden. Munirs schwere Last wird allmählich leichter und sein Lebenswille erwacht wieder.

INFOS ZUM FILM

Deutschland / Kanada / Italien / Palästina / Katar / Jordanien / Saudi-Arabien 2025
124 min
Regie Ameer Fakher Eldin
Bild © Red Balloon Film, Productions Microclimat, Intramovies

Wettbewerb

YUNAN

YUNAN

Munir reist auf eine entlegene Insel, um eine extreme Entscheidung zu durchdenken. Dabei kehren seine Gedanken immer wieder zu einer rätselhaften Parabel zurück, die ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben hat. In der Stille seines einsamen Insel-Rückzugs begegnet er der geheimnisvollen Valeska (Hanna Schygulla) und ihrem vorlauten, aber ihr eng verbundenen Sohn Karl. Obwohl sie nur wenige Worte miteinander wechseln, gelingt es mit kleinen Akten der Freundlichkeit, das gegenseitige Misstrauen zu überwinden. Munirs schwere Last wird allmählich leichter und sein Lebenswille erwacht wieder.

INFOS ZUM FILM

Deutschland / Kanada / Italien / Palästina / Katar / Jordanien / Saudi-Arabien 2025
124 min
Regie Ameer Fakher Eldin
Bild © Red Balloon Film, Productions Microclimat, Intramovies

Berlinale 2025 - Tag 6

BERLINALE 2025 – TAG 6

Berlinale 2025 - Tag 6

BERLINALE 2025 – TAG 6

Unmenschlich! Sind deine Augen nicht bald viereckig? Wer sich schon immer gefragt hat, wie man in nur neun Tagen so viele Filme schauen kann: Bitte beruhigen Sie sich - es gibt eine Pre-Berlinale. Die läuft von Ende Januar bis kurz vor Festivalbeginn, und fast alle Filme aus den Sektionen werden gezeigt, mit Ausnahme des Wettbewerbs und Highlights wie „Mickey 17“. Warum es dabei jedoch zu ständigen Überschneidungen und parallel stattfindenden Vorführungen kommt, bleibt rätselhaft. Es gäbe genug freie Tage dazwischen, und im Digitalzeitalter müssen ja auch keine Filmrollen mehr quer durch die Stadt transportiert werden. So bleibt es trotz allem dabei: Alles kann man einfach nicht sehen!

Wettbewerb

MOTHER'S BABY

MOTHER’S BABY

Dirigentin Julia wird durch eine experimentelle Behandlung schwanger. Doch bei der Geburt läuft etwas schief, die Nabelschnur hat sich um den Hals gewickelt und Arzt und Hebammen verschwinden mit dem Neugeborenen. Als den Eltern am nächsten Tag ein kerngesundes Baby präsentiert wird, ist Julia skeptisch. Auch Wochen später entwickelt sie keine mütterlichen Gefühle für das seltsam stille Kind.

Wenn der Axolotl milde lächelt. MOTHER’S BABY ist ein solide gemachter Psychothriller, bei dem der Weg das Ziel ist. Denn – und das Spoiler-Eis ist sehr dünn – wenn ein Film am Ende genau die Auflösung hat, die man spätestens nach einer halben Stunde erahnt, bleibt nur, den guten Schauspielern bei der Arbeit zuzusehen und die gekonnt inszenierte unterschwellige Bedrohung zu genießen. Zur Abwechslung immerhin ein richtiger Kinofilm.

INFOS ZUM FILM

Österreich / Schweiz / Deutschland 2025
107 min
Regie Marie Leuenberger
Bild © FreibeuterFilm

Wettbewerb

BLUE MOON

BLUE MOON

Vor dem weltberühmten Songwriter-Team „Rodgers and Hammerstein“ gab es „Rodgers and Hart“. Doch die beiden zerstritten sich – Hart war Alkoholiker und entsprechend unzuverlässig. Am 31. März 1943, dem Abend der umjubelten Premiere von „Oklahoma!“, treffen die ehemals besten Freunde in Sardi’s Bar aufeinander. BLUE MOON zeigt in Echtzeit jenen Abend voller Drama, Drinks und unerwünschter Einsichten.

Richard Linklater + Ethan Hawke + Berlinale = Gewinner. Schon zweimal wurde der Regisseur hier mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet: für „Before Sunrise“ und „Boyhood“, in beiden spielt Hawke mit. Kann er mit BLUE MOON an seine großen Erfolge anknüpfen? Es ist jedenfalls kein schlechtes Zeichen, wenn das Publikum beim Verlassen des Kinosaals summt und vor sich hin pfeift.

Der Wettbewerb hat mit BLUE MOON seinen wahrscheinlich einzigen echten Crowdpleaser. Ethan Hawke, durch optische Tricks verkleinert – der echte Lorenz Hart war nur 1,50 m groß –, ist natürlich die Hauptattraktion. Er spielt den Textdichter oscarreif, flankiert von einer Reihe großartiger Schauspieler: Bobby Cannavale, „Tom Ripley“-Star Andrew Scott und Margaret Qualley, die man als verjüngte Version von Demi Moore in „The Substance“ kennt.

Neben „Blue Moon“ haben Rodgers und Hart auch „My Funny Valentine“, „The Lady is a Tramp“ und zahllose andere Klassiker geschrieben. Der melancholische Abgesang auf eine heute vergessene Karriere ist voller pointierter Dialoge und souverän inszeniert. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann höchstens, dass BLUE MOON manchmal knapp an der Geschwätzigkeit kratzt. Eine Erfüllung wie „Boyhood“ ist es nicht, aber 100 Minuten intelligente Unterhaltung allemal.

INFOS ZUM FILM

USA / Irland 2025
100 min
Regie Richard Linklater
Bild © Sabrina Lantos / Sony Pictures Classics

Wettbewerb

EL MENSAJE

EL MENSAJE

The Message

Nach WAS MARIELLE WEISS – „Kinder mit speziellen Begabungen, Teil 2“: Die kleine Anika kann mit Tieren sprechen. Prompt wird sie von ihren Pflegeeltern zum lukrativen „Medium“ gemacht. Auf der Suche nach Kunden fahren die drei durchs Hinterland Argentiniens.

Tiere und Kinder gehen immer: einsame Igel und zufriedene Hunde im Jenseits, dazu ein kleines Mädchen, dem nach und nach die Milchzähne ausfallen – ein Vorgang, der in aller Ausführlichkeit gezeigt wird. Das handlungsarme Roadmovie ist immerhin ganz hübsch in Schwarz-Weiß gedreht, und in 90 Minuten gibt es zwei lustige Momente – zwei mehr als in so manch anderem Wettbewerbsbeitrag. EL MENSAJE ist noch so ein Film, der in gefühlter Echtzeit abläuft. Das Bett machen, den Mais aufsammeln, ein Sandwich essen – bitte, das ist so interessant, wie es klingt. Würde man das Ganze auf die eigentliche Geschichte komprimieren, käme ein Kurzfilm von höchstens zehn Minuten dabei heraus. Das Leben als langer, staubiger Fluss. Kein Wunder also, dass man zwischendurch immer wieder denkt: Nun macht mal hinne!

INFOS ZUM FILM

Argentinien / Spanien / Uruguay 2025
91 min
Regie Iván Fund
Bild © Iván Fund, Laura Mara Tablón, Gustavo Schiaffino / Rita Cine, Insomnia Films

Panorama

DELICIOUS

DELICIOUS

Netflix im Panorama: der Thriller DELICIOUS ist das Regiedebüt der Schauspielerin Nele Mueller-Stöfen.

Eine deutsche Familie auf Luxusurlaub in Südfrankreich. Abends ein Glas Wein zu viel, kurz nicht aufgepasst, rumms –  Teodora angefahren. Statt ins Krankenhaus, nimmt die Familie die junge Frau mit nach Hause. Ein fataler Fehler.

Es fängt gut an: 80 Minuten lang fesselt die Geschichte, macht neugierig, bleibt geheimnisvoll. Zudem toll gedreht, stimmungsvoll und richtig gut gespielt. Sogar Fahri Yardim als Vater nervt fast gar nicht. Wenn da nur nicht die letzten 20 Minuten wären. Netflix verteilt zur Pressevorführung ein Infoblatt mit einer Liste von Spoilern, unter anderem das Ende betreffend. Verständlich, denn über das Ende sollte man wirklich besser den Mantel des Schweigens legen. Selten wurde ein Film durch die grotesk alberne Auflösung so gegen die Wand gefahren, wie dieser. Schade drum.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
100 min
Regie Nele Mueller-Stöfen
Bild © Netflix

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Berlinale 2025 Tag 5

BERLINALE 2025 – TAG 5

Berlinale 2025 Tag 5

BERLINALE 2025 – TAG 5

Streng kuratiert ist vielleicht nicht die gesamte Berlinale (obwohl die Themen „Lesbische Liebe“ und "Wasser" - in allen Aggregatzuständen - omnipräsent zu sein scheinen), aber zumindest die Sektion Panorama. Dort geht es gefühlt in jedem zweiten Film ums Pinkeln. Ist ja irgendwie auch Wasser und ein Thema, das uns alle angeht.

Wettbewerb

WAS MARIELLE WEISS

WAS MARIELLE WEISS

Ein Albtraum: Nach einer Ohrfeige entwickelt Marielle plötzlich telepathische Fähigkeiten. Ohne dabei zu sein, weiß sie alles, was ihre Eltern tagsüber so treiben – vom heftigen Flirt der Mutter mit einem Kollegen bis zum Versagen des Vaters vor seinen Mitarbeitern. Wie soll man mit der neuen Begabung des Kindes umgehen? Lügen oder alle Wahrheiten auf den Tisch legen?

Potztausend! Ein gescheiter Film im Wettbewerb. WAS MARIELLE WEISS ist witzig, klug und gut gespielt. Natürlich geht nicht alles – großes Kino darf man bei einer Co-Produktion des ZDF-Kleinen Fernsehspiels nicht erwarten. Entsprechend TV-gerechet sind die Bilder. Aber eine clevere Idee und eine straffe Inszenierung sind ja auch schon was.

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Deutschland 2025
86 min
Regie Frédéric Hambalek
Bild © Alexander Griesser

Wettbewerb

XIANG FEI DE NV HAI

Girls on Wire

Darum geht’s (wahrscheinlich): Die Cousinen Tian Tian und Fang Di sind unzertrennlich. Doch dann zieht Fang Di in die Stadt und wird Stuntfrau, um die Schulden ihrer Familie zu bezahlen. Tian Tian bleibt zurück und muss mit der Drogensucht ihres Vaters zurechtkommen. Als sie vor der Mafia fliehen muss, sucht sie Schutz bei Fang Di.

Es ist kein schönes Gefühl, während eines Films festzustellen, dass man wahrscheinlich zu dumm ist, der Handlung zu folgen. Oder liegt es an den kleinen Schlafpausen zwischendurch? Unklar, ob dieser chinesische Wettbewerbsbeitrag ernst gemeint ist oder als Persiflage.

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Volksrepublik China 2025
115 min
Regie Vivian Qu
Bild © L’Avventura Films

Berlinale Special Gala

Heldin

HELDIN

Kann sich noch jemand an den hehren Applaus für die Pflegekräfte während der Corona-Pandemie erinnern? Viel ist seitdem nicht passiert. Der Job ist immer noch hart (die meisten werfen spätestens nach vier Jahren hin), und die Bezahlung ist unterirdisch. Wer tut sich das schon freiwillig an?

HELDIN sollte Pflicht für Entscheidungsträger und Politiker sein, denn der beinahe dokumentarische Film zeigt eindrucksvoll, wie es in unseren Krankenhäusern zugeht. Der Berlinale-Special-Gala-Beitrag ist ein Highlight der diesjährigen Filmfestspiele. Petra Volpes Film begleitet Florias Schichtdienst in einem Schweizer Spital. Judith Kaufmanns – wie immer großartige – Kamera folgt der jungen Pflegerin durch einen ganz normalen Tag: Dauerstress zwischen klingelndem Telefon, ungeduldigen Angehörigen und schwer kranken Patienten. Floria bleibt zugewandt – trotz Überlastung und mieser Bezahlung.

HELDIN ist packend, zum Lachen, zum Weinen und wirkt lange nach. Herausragend: Leonie Benesch, die schon vor zwei Jahren in „Das Lehrerzimmer“ begeistern konnte. Warum läuft so etwas nicht im Wettbewerb?

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Schweiz / Deutschland 2025
92 min
Regie Petra Volpe
Bild © Zodiac Pictures

Panorama

BEGYNDELSER

BEGYNDELSER

Beginnings

Das Timing könnte kaum schlechter sein: Trine und Lars haben sich auseinandergelebt. Er hat eine neue Freundin, will bald ausziehen – nur die gemeinsamen Töchter wissen noch nichts. Doch dann erleidet Trine aus heiterem Himmel einen Schlaganfall – mit fatalen Folgen: Die selbstbewusste Lehrerin ist halbseitig gelähmt und auf Hilfe angewiesen. Wie soll es weitergehen? Wird Lars die Familie im Stich lassen?

Drehbuch-Workshop, erster Teil: Ist ihre Geschichte zu alltäglich? Finden Sie ein Bild mit starker Symbolkraft als roten Faden. Regisseurin Jeanette Nordahl hat sich für Wasser entschieden. Ob im Reha-Schwimmbecken, im Aquarium oder als laufender Wasserhahn – immer wieder und vielleicht zu oft: überall Wasser. Mehrfach geht es auch ums Pinkeln – mal unfreiwillig, mal als Statement. Passend, denn nicht umsonst heißt es „Wasser lassen“. Das Ganze steht dann wohl für „alles ist in Bewegung“. BEGYNDELSER: Als Film okay – vor allem wegen der großartigen Trine Dyrholm lohnenswert.

INFOS ZUM FILM

Dänemark / Schweden / Belgien 2025
96 min
Regie Jeanette Nordahl
Bild © Thomas Howalt Andersen, Danni Riddertoft

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Berlinale 2025 - Tag 4

BERLINALE 2025 – TAG 4

Berlinale 2025 - Tag 4

BERLINALE 2025 – TAG 4

Das ist jetzt nicht despektierlich gemeint, aber bei wem sollen diese Inhaltsangaben Vorfreude auf einen Film wecken? „In Žilniks hinterlistig charmanter Doku-Fiktion gibt die postsozialistische Restitution dem serbischen Jazzmusiker Stevan sein Elternhaus zurück.“ oder „Daye, ein 14-jähriger nubischer Albino mit goldener Stimme, ist es gewohnt, sich behaupten zu müssen.“ oder aber auch „Aufbruch einer jungen Indigenen vom Dorf in die Stadt. Cinema Novo, Hybrid-Fiktion, Roadtrip, Öko-Avantgardeblick.“

Wettbewerb

IF I HAD LEGS I'D KICK YOU

IF I HAD LEGS I’D KICK YOU

Linda ist verzweifelt: In ihrer Wohnung stürzt die Decke ein, ihre Tochter ist krank, und eine ihrer Patientinnen wird vermisst. Doch ist all das real – oder entspinnt es sich nur im Kopf einer psychisch Kranken? Eine Frau, weit über den Rand des Nervenzusammenbruchs hinaus.

Warum nicht mal was Fröhliches im Wettbewerb? Nein? Na gut, dann eben IF I HAD LEGS I’D KICK YOU. Klar, hilft es, dass die immer fabelhafte Rose Byrne die Hauptrolle spielt. Die Kamera klebt förmlich an ihrem Gesicht, schauspielerisch ist das erwartungsgemäß top. Überhaupt die Besetzung: Christian Slater – und sehr schön als dauergenervter Psychotherapeut US-Talkshow-Host Conan O’Brien. IF… hat sogar komische Momente, bleibt aber ein Höllentrip, der seinem Publikum viel zumutet. Linda verliert die Kontrolle – über ihr Leben, über alles. Und ihr Gemütszustand überträgt sich unweigerlich auf die Zuschauer. Nach gut zwei Stunden fühlt man sich, als hätte man eine Wurzelbehandlung hinter sich.

INFOS ZUM FILM

USA 2024
113 min
Regie Mary Bronstein
Bild © Logan White / A24

Wettbewerb

La Tour de Glace

LA TOUR DE GLACE

The Ice Tower

Das Revival der 70er-Jahre Märchenfilme im neuen Gewand geht weiter. Nach „The Ugly Stepsister“ nun LA TOUR DE GLACE im Wettbewerb. Die 16-jährige Jeanne flieht aus einem Heim in den Bergen. Im Tal landet sie ausgerechnet in einem Filmstudio, das sie nachts ungestört durchstreift. Am Tag entsteht dort ein Film über die Schneekönigin mit der rätselhaften Cristina in der Hauptrolle, einer Schauspielerin von außergewöhnlicher Anziehungskraft und tragischer Aura. Zwischen Jeanne und Cristina entwickelt sich eine unerwartete Verbindung.

Frauen, die sich anstarren und dazu gestelzte Dialoge flüstern – das kann nicht einmal Marion Cotillard retten. Trotz schöner Bilder und großartiger Schauspielerinnen: Wenn die Emotionen zu Eis erstarren und zwei Stunden lang nichts passiert, ist das schlichtweg sterbenslangweilig.

INFOS ZUM FILM

Frankreich / Deutschland 2025
118 min
Regie Lucile Hadžihalilović
Bild © 3B-Davis-Sutor Kolonko-Arte

Wettbewerb

REFLET DANS UN DIAMANT MORT

REFLET DANS UN DIAMANT MORT

Reflection in a Dead Diamond

Anzug, Hut, Sonne, Meer: Der 70-jährige John führt ein ruhiges Leben in einem Grandhotel an der Côte d’Azur – bis ihn die geheimnisvolle Frau im Nebenzimmer aus seinem gemütlichen Rentnerdasein reißt. Sie erinnert ihn an die wilden 60er, als er als Spion zwischen Femme fatales und finsteren Schurken die Welt unsicher machte. Zunehmend verschwimmen bei John die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

In den 60er- und 70er-Jahren entstanden zahllose billig produzierte Filme, die von der erfolgreichen James Bond-Reihe profitieren wollten. Diese trashigen Agentenstreifen stammten meist aus Italien oder Frankreich. REFLET DANS UN DIAMANT MORT ist eine Hommage an dieses Genre – schade nur, dass es kaum eine nachvollziehbare Handlung gibt. Die knalligen Technicolor-Farben, die amüsanten Gadgets – Q hätte seine Freude daran – und die Anspielungen auf Maurice Binders legendäre Bond-Titelsequenzen sorgen eine halbe Stunde lang für unterhaltsame Nostalgie. Doch die künstlerisch gemeinte Collage aus Filmzitaten wird auf Dauer anstrengend und hätte wohl besser als Kurzfilm funktioniert. Nicht unbedingt Wettbewerbs-Material. Oder wie es eine junge Frau in der Reihe hinter mir heute morgen ausdrückte: „Ich hab den Film so gar nicht gefühlt.“

INFOS ZUM FILM

Belgien / Luxemburg / Italien / Frankreich 2025
87 min
Regie Hélène Cattet, Bruno Forzani
Bild © Cattet-Forzani

Berlinale Special Gala

Islands

ISLANDS

Jan-Ole Gerster, den man vor allem als Regisseur von „Oh Boy“ kennt, hat mit ISLANDS seinen ersten englischsprachigen Film gedreht – und zwar einen ziemlich guten.

Tom (sehr überzeugend: Sam Riley) arbeitet als Tennistrainer in einem leicht heruntergekommenen Hotel auf Fuerteventura. Sein Alltag besteht aus Unterricht, Alkohol und kurzen Affären. Die Ankunft einer wohlhabenden Familie bringt unerwartete Abwechslung. Besonders die Frau, Anne, fasziniert ihn, und Tom ist sich sicher, ihr schon einmal begegnet zu sein. Als deren Ehemann nach einem Streit verschwindet, verhält sich Anne ausgesprochen seltsam.

Der Berlinale Special-Beitrag ist ein Slowburner, der mehr auf bedrohliche Stimmung als auf Action setzt. Musik, Tempo, Inszenierung erinnern an ein Werk von François Ozon. Ein Kompliment! Am Ende verbirgt sich in Gersters Psychothriller eine unerwartet positive Botschaft: Hoffnung besteht immer.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
123 min
Regie Jan-Ole Gerster
Bild © Juan Sarmiento G. / 2025 augenschein Filmproduktion, LEONINE Studios

Berlinale Special Gala

KÖLN 75

KÖLN 75

Es ist das meistverkaufte Soloalbum eines Jazzmusikers: The Köln Concert von Keith Jarrett. Nun ein Film zum legendären Konzert? Großes NEIN! Stattdessen dreht sich alles um die turbulente Vorgeschichte und die schier endlosen Herausforderungen, die die 18-jährige Veranstalterin Vera Brandes (Mala Emde) bewältigen muss. KÖLN 75 schwankt zwischen zwei unterschiedlichen Tonlagen: Konventionell gemachte Unterhaltungsware und cleveres Lehrstück über einen Ausnahmemusiker. Trotz der stilistischen Unentschlossenheit: sehenswert. Die ausführliche Kritik gibt’s rechtzeitig zum Kinostart am 13. März.

INFOS ZUM FILM

Deutschland / Belgien / Polen 2024
116 min
Regie Ido Fluk
Bild © Wolfgang Ennenbach / One Two Films

Panorama Dokumente

ICH WILL ALLES. HILDEGARD KNEF

ICH WILL ALLES. HILDEGARD KNEF

Hildegard Knef – ein Weltstar aus Deutschland. Als Schauspielerin ist sie ebenso erfolgreich wie als Sängerin und Buchautorin. Bis zu ihrem Tod 2002 bleibt sie künstlerisch aktiv. Doch durchlitt sie im Laufe ihrer Karriere auch lange Durststrecken. Luzia Schmid verwendet überwiegend alte Interviewaufnahmen mit der Knef. Besonders hübsch, wie die allzu herablassenden (ausschließlich männlichen) Fragestellern Kontra gibt und mit Scharfsinn antwortet. Die konventionelle Machart und das Fehlen jeglicher visueller oder künstlerischer Ideen machen ICH WILL ALLES zu einem typischen Spätabend-Fernseh-Kulturstück. Ach Hildchen, Du hättest einen spannenderen Film über dein Leben verdient.

INFOS ZUM FILM

Deutschland 2025
98 min
Regie Luzia Schmid
Bild © Privatarchiv Hildegard Knef

Generation 14plus

SANDBAG DAMS

ZEČJI NASIP

Sandbag Dam

Im Interview mit Landwirt Michael Stücke zum Thema „Schwule Schafe“ fragt der Tagesspiegel: „Laut Studien sind in etwa acht Prozent der männlichen Schafe schwul. Was geschieht üblicherweise mit den Tieren?“ Die furchtbare Antwort: „Im Normalfall ist es so, dass man sie aussortiert… man kann sie ja nicht gebrauchen. Sie werden geschlachtet.“

Ganz so schlimm kommt es für die beiden verliebten Jungmänner Markos und Slaven im Generation 14plus-Beitrag „Zečji nasip“ (Sandbag Dam) nicht, aber die Dorfgemeinschaft in the middle of nowhere verurteilt die schwule Beziehungen natürlich aufs Schärfste. Purer Hass schlägt den beiden ungefiltert entgegen, Prügel und Bruch mit der Familie inklusive. Gay-Love auf dem Land? Das erinnert schwer an „God’s own Country“ auf Kroatisch. Der gefühlt hundertste Beitrag zum Thema ist ein typischer ZDF-Film: Zäh-Deprimierend-Fad und voller Klischees.

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Originaltitel „Zečji nasip“
Kroatien / Litauen / Slowenien 2025
88 min
Regie Čejen Černić Čanak
Bild © Kinorama

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Berlinale 2025 - Tag 3

BERLINALE 2025 – TAG 3

Berlinale 2025 - Tag 3

BERLINALE 2025 – TAG 3

Da vergeht einem direkt die gute Laune: Die Berlinale nimmt sich ein Beispiel an der Deutschen Bahn, die Filme starten mit saftiger Verspätung. Besonders ärgerlich bei den ohnehin zu kurzen Pausen zwischendurch - denn an der Kaffeebar im Pressezentrum fand die Einstein-Kette es eine gute Idee, eine einzige Maschine für Hunderte Journalisten aufzustellen. Leider lässt sich die Verspätung nicht einplanen, zumal die Kinos in diesem Jahr brechend voll sind. Highlight bisher: MICKEY 17 startet unter Buhrufen 15 Minuten später - es muss noch dringend mitgeteilt werden, dass ein Embargo auf die Berichterstattung bis 19 Uhr besteht. Aber nicht über Mikrofon (auf die Idee kommt irgendwer erst nach einer Viertelstunde), sondern durch einzelne Mitarbeiterinnen, die durch die Reihen gehen und die Botschaft persönlich kundtun. Das dauert bei knapp 1.800 Plätzen natürlich.

Wettbewerb

Ari

ARI

Der 27-jährige Referendar Ari ist am Ende. Die Arbeit mit Kindern, der Job an sich, alles zuviel. Er erleidet eine Panikattacke. Sein Vater ist darüber so sauer, dass er ihn aus dem Haus schmeißt. Allein und emotional aufgewühlt sucht Ari den Kontakt zu früheren Freunden, während er über die letzten Monate nachdenkt.

Ein junger, sensibler Mann – sexuell fluid, natürlich – erforscht sich selbt und hinterfragt gesellschaftliche Erwartungen. Das plätschert so vor sich hin. Nach 88 Minuten ist der kleine Einblick in Aris Leben schon vorbei. Herzig.

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Frankreich / Belgien 2025
88 min
Regie Léonor Serraille
Bild © Geko Films – Blue Monday Productions – ARTE France – PICTANOVO – Wrong Men – 2025

Wettbewerb

Dreams

DREAMS

Das macht Donald Trump sehr wütend: Ein junger Mann flieht von Mexiko in die USA. Dort erwartet ihn allerdings keine bittere Armut, sondern eine leidenschaftliche Affäre mit seiner reichen Freundin in San Francisco. Während er auf eine Karriere als Balletttänzer hofft, will sie nur seinen „harten Schwanz in ihrer nassen Pussi“ (Originalzitat aus dem Film). Naja, und dann schämt sie sich halt doch für ihren gut 20 Jahre jüngeren Lover, und er will auf eigenen Tanzfüßen stehen. Und dann … ach, auch egal. Mit Starbesetzung (Jessica Chastain) und erlesener Werbeoptik tut DREAMS wichtig.

Michel Franco inszeniert seine Schmonzette mit bodenloser Ernsthaftigkeit – eine Edel-Soap, in der sogar eine Vergewaltigung irgendwie ästhetisch aussieht. Statt Empathie löst DREAMS nur herzliches Augenrollen aus. Immerhin: Ein Film mit Handlung und dramaturgischem Bogen.

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Mexiko 2025
100 min
Regie Michel Franco
Bild © Teorema

Berlinale Special Gala

Mickey 17

MICKEY 17

Der ganz große Wurf wie der oscargekrönte „Parasite“ ist es nicht geworden. Bong Joon-ho kehrt zu seinen Wurzeln zurück und hat mit MICKEY 17 eine Science-Fiction-Groteske gedreht, die an seinen Film „Snowpiercer“ erinnert. Natürlich ist auch MICKEY 17 eine bissige Satire und Abrechnung mit Kolonialismus und falschen Führern – diesmal jedoch mit Mut zum Klamauk und großer Freude am feisten Blockbusterkino. Eine Gesellschaftssatire im Vollgasmodus, sozusagen.

♻️ Recycling 2.0: Mickey Barnes ist ein sogennanter „Expendable“: ein Typ, der bei lebensgefährlichen Aufgaben im Weltraum stirbt und danach als Klon einfach neu ausgedruckt wird. Siebzehn Mal war das schon der Fall. Als das Kolonistenschiff Drakkar den eisigen Planeten Niflheim erreicht, stürzt Mickey 17 in eine Gletscherspalte und wird von einer Alien-Lebensform gerettet. Zurück an der Basis macht er eine schockierende Entdeckung – Mickey 18, sein neuer Klon, ist bereits aktiv.

Robert Pattinson spielt die vielen Mickeys grandios, überzeugt als luschiges Sensibelchen genauso wie als harter Macho. Ein echtes Highlight sind Toni Collette und Mark Ruffolo als machtgeiles Herrscherpaar mit starker Anlehung an einen gerade wiedergewählten Präsidenten. MICKEY 17 ist ein wilder Ritt mit ein paar Längen zwischendurch, aber sicher eines der Highlights der diesjährigen Berlinale.

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USA / Südkorea 2024
137 min
Regie Bong Joon Ho
Bild © Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved

Panorama

Den stygge stesøsteren

The Ugly Stepsister

Das altbekannte Märchen, neu erzählt: Aschenputtel Reloaded. Diesmal mit Blick auf Beautywahn und Bodyhorror. Um mit ihrer wunderschönen Stiefschwester mithalten zu können, ist Elvira zu allem bereit. Schönheits-OPs im Mittelalter-Stil und zerhackte Füße (der Schuh MUSS passen!) inklusive. Highlight: Damit sie dem Prinzen gefällt, schluckt Elvira einen Babybandwurm, der in ihrem Bauch heranwächst und bald für eine schlanke Linie sorgt – dann doch lieber Ozempik. THE UGLY STEPSISTER sieht aus, als hätte Bodyhorrorexperte David Cronenberg einen tschechischen Märchenfilm der 70er-Jahre inszeniert. Schräg und spaßig.

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Norwegen / Polen / Schweden / Dänemark 2025
110 min
Regie Emilie Blichfeldt
Bild © Marcel Zyskind

Panorama

HYSTERIA

Film im Film: Regisseur Yigit dreht einen Spielfilm über den Brandanschlag von Solingen, bei dem fünf Menschen ums Leben kamen. Bei den Aufnahmen zur entscheidenden Szene verbrennt auch eine ganz besondere Requisite: ein Koran. Versehen oder Absicht? Die türkischen Statisten, aus einem Flüchtlingsheim rekrutiert, sind empört. Dann verschwindet auch noch das Filmmaterial – mitten in den immer hysterischer werdenden Verdächtigungen und Schuldzuweisungen: die 24-jährige Regieassistentin Elfi.

Für HYSTERIA muss man Geduld mitbringen. Es zieht sich und besonders spannend wird es lange nicht. Richtig interessant sind dann erst die letzten 20 Minuten. Gerade als man schon dachte, der Film sei vorbei – ein Schnitt ins Schwarz – wird die ganze Geschichte von den Hauptfiguren nochmals aufgedröselt, bis zum unerwarteten und symbolträchtigen Ende.

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Deutschland 2025
104 min
Regie Mehmet Akif Büyükatalay
Bild © filmfaust

Panorama

Queerpanorama

QUEERPANORAMA

Asiaten, die lange Gespräche führen, dazwischen viel essen und das Ganze in schwarz-weiß gefilmt? Klingt wie das neueste Werk von Hong Sangsoo, dem südkoreanischen Regisseur, dem man bei der Berlinale nicht entfliehen kann. Der Mann ist Stammgast und natürlich auch in diesem Jahr mit dabei.

QUEERPANORAMA könnte zwar von Sangsoo sein, ist aber von Jun Li. Neben Reden und Essen gibt’s hier noch Sex. Ein junger schwuler Mann mit vielen Namen hat nicht nur eine gesunde Libido, sondern ist auch noch eine Art Mimikry-Vamipr. Von jedem Sexpartner übernimmt er einen Teil seiner Geschichte und gibt sie dann beim nächsten Date als seine eigene aus. Mal ist er Musiker, dann Lehrer, dann Wissenschaftler. Klingt interessanter als es ist. QUEERPANORAMA wurde wahrscheinlich wegen seines Titels für die Sektion Panorama ausgewählt. Fast so zäh wie ein echter Sangsoo, dafür besser gedreht.

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USA / Hongkong / China 2025
87 min
Regie Jun Li
Bild © Good Sin Production

Perspectives

El Diaboo Fuma

EL DIABLO FUMA

The Devil Smokes

Nochmal Mexiko, nur diesmal ohne Handlung: Fünf Geschwister im Alter von 7 bis 13 Jahren leben mit ihrer Großmutter in einem Haus. Die Eltern sind verschwunden – zuerst die Mutter, dann der Vater. Dutzende Fliegenfallen hängen von der Decke, sie sollen vor dem Teufel schützen, die Fenster sind zugeklebt. Die Kinder streiten, lachen, malen, schauen Fernsehen. Jeden Abend laufen dort Infospots der mexikanischen Regierung zum Thema Cholera. Irgendwann schaut das Jugendamt vorbei.

Aha. Fragen wir den Pressetext um Rat: „Die Grenze zwischen Realität und Imagination löst sich auf. Bald werden die Kinder fort sein – vielleicht auch nicht.“ So spannend wie der Wäsche beim Trocknen zuzusehen. Immerhin: Die Kinderdarsteller spielen sehr gut.

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MexiKo 2025
97 min
Regie Ernesto Martínez Bucio
Bild © Odei Zabaleta

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Berlinale 2025 - Tag 2

BERLINALE 2025 – TAG 2

Berlinale 2025 - Tag 2

BERLINALE 2025 – TAG 2

Auch eine besondere Form von Logik: Tom Tykwers Eröffnungsfilm lief gestern außer Konkurrenz, da es gegenüber den anderen Wettbewerbsfilmen „unfair wäre, wenn sie gegen einen Film mit so großer Aufmerksamkeit antreten müssten“, so Tricia Tuttle. Really? Ist Konkurrenz nicht der Sinn eines Wettbewerbs? Dürfen folglich nur noch Independent-Movies ins Rennen gehen? Na gut, "Das Licht" ist kein herausragender Film, aber es wäre ja trotzdem eine willkommene Abwechslung, wenn in diesem Jahr mal kein Dokumentarfilm über behinderte Menschen oder anstrengendes Stück über Beutekunst den Goldenen Bären gewinnen würde. Aber so wird das nichts. Berlinale, gib dem Mainstreamkino eine Chance!

Wettbewerb

Hot Milk

HOT MILK

Rose und ihre Tochter Sofia reisen in die Küstenstadt Almería, um dort einen Arzt aufzusuchen, der Roses mysteriöse Lähmung heilen soll. Während die Mutter nur zwischen Klinik und Ferienhaus pendelt, macht sich ihre Tochter auf Erkundungstour. Am Strand trifft sie die deutsche Touristin Ingrid, die beiden verlieben sich.

Ein Frauenfilm: Vicky Krieps empfiehlt sich als Doppelgängerin der jungen Meryl Streep, Emma Mackey (bekannt aus „Sex Education“) ist unglaublich hübsch und schön dauerwütend. Das wahre Highlight aber ist Fiona Shaw, die der ein oder andere vielleicht aus „Killing Eve“ als gestrenge Geheimdienstchefin Carolyn kennt. Ihre dominante und traumatisierte Mutterfigur bleibt im Gedächtnis.

Bei HOT MILK weiß man bis zum Ende nicht, wohin die Reise gehen soll: lesbischer Liebesfilm? Mutter-Tochter-Drama? Dunkle Familiengeheimnisse? Von allem ein bisschen – und in Konsequenz doch nichts davon. Was uns Rebecca Lenkiewicz mit ihrem Wettbewerbsfilm genau sagen will, bleibt rätselhaft. Wenigstens gibt es zwischendurch ein paar Lacher. Dankbar für die kleinen Dinge.

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Vereinigtes Königreich 2025
92 min
Regie Rebecca Lenkiewicz
Bild © Nikos Nikolopoulos / MUBI

Wettbewerb

Sheng Xi zhi di

SHENG XI ZHI DI

Living the Land

Wer schon immer ganz genau wissen wollte, wie das Leben der chinesischen Landbevölkerung 1991 aussah: SHENG XI ZHI DI zeigt es in epischer Ausführlichkeit. Es wird gelebt, gearbeitet, gekocht, gestritten,  geerntet und getrauert. Und am Ende fällt Schnee. Also fast wie bei uns. Das Ganze ist so langsam erzählt – die Zeit scheint rückwärts zu laufen. Erkenntnis: Chinesen sind ein sehr lautes Volk – selbst bei einer Beerdigung veranstalten sie ohrenbetäubenden Lärm.

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Volksrepublik China 2025
132 min
Regie Huo Meng
Bild © Floating Light (Foshan) Film and Culture

Berlinale Special

Kein Tier. So Wild.

KEIN TIER. SO WILD.

Shakespears Klassiker „Richard III“ als  Clandrama im Heute. Ein theaterhaftes Berlin liefert die Kulisse für den brutalen Krieg zwischen den verfeindeten Großfamilien York und Lancaster. Rashida, eine Anwältin aus dem Haus York, greift zu drastischen Mitteln, um den Konflikt zu beenden – doch der ersehnte Frieden bringt ihr keine Freiheit.

Eins muss man Burhan Qurbani lassen: Der Regisseur der großartigen Neuverfilmung von „Berlin Alexanderplatz“ (2020 im Wettbewerb) hat Mut. Denn im Ansatz hätte KEIN TIER. SO WILD. aufregendes, großes Kino werden können. Doch die artifizielle Inszenierung und die in Düsternis getauchten Bilder drücken schwer aufs Gemüt. Nach einer Stunde fühlt man sich, als läge man unter einer Bleidecke begraben. Immerhin kein laues Lüftchen: Burhan Qurbani scheitert in Größe.

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Deutschland / Polen / Frankreich 2025
142 min
Regie Burhan Qurbani
Bild © Lukasz Bak / Sommerhaus Filmproduktion – Port au Prince Pictures – Goodfellas

Panorama

SCHWESTERHERZ

Rose ist gerade bei ihrer Ex-Freundin ausgezogen, wohnt für ein paar Tage bei ihrem Bruder Sam. Eines Nachts bringt der eine Frau mit nach Hause, Rose wird unfreiwillige Zeugin von einvernehmlichem Sex  – oder doch etwas anderem? Als Sam der Vergewaltigung beschuldigt wird, soll Rose als Zeugin aussagen.

Es war vor über 30 Jahren, als Dustin Hoffman in einem Interview beklagte, dass Spielfilme für ihre TV-Ausstrahlung gekürzt würden. Nicht ganze Szenen fielen der Schere zum Opfer, sondern innerhalb der Dialoge würden Pausen herausgeschnitten. Aus „I love you“ Pause, schmachtender Blick, „I love you too“ würde so ein stakkatoartiges „I love you. I love you too“.

Dem deutschen Panoramabeitrag SCHWESTERHERZ wünscht man genau diese zweifelhafte Schnitttechnik. Sarah Miro Fischers  Film ist eine einzige Sprechpause. Man möchte zwischendurch auf die „fast forward“-Taste drücken und besonders Hauptdarstellerin Marie Bloching bitten, doch ein bisschen schneller zu machen. Wie lange muss man zwischen den einzelnen Wörtern nachdenken? Ansonsten: Ein ordentlich inszenierter Psychothriller. Mehr kleines Fernsehspiel als großes Kino.

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Deutschland / Spanien 2025
96 min
Regie Sarah Miro Fischer
Bild © Selma von Polheim Gravesen / dffb

Panorama

ATO NOTURNO

ATO NOTURNO

Night Stage

Der aufstrebende Berufspolitiker Rafael und der junge Schauspieler Matias treffen sich immer wieder zu heimlichen Sexdates. Der besondere Thrill: sie wollen dabei erwischt werden. Das gefällt nicht jedem, schon gar nicht den mächtigen Geldgebern, die Rafael ins Bürgermeisteramt befördern wollen. Regisseur Marcio Reolon scheint ein großer Pedro Almodovar-Fan zu sein. Kamera, Licht, Musik – das versucht den Stil des spanischen Regiemeisters mehr schlecht als recht zu kopieren. Für ein echtes Melodrama ist ATO NOTURNO zu normal, für einen ernsten Film zu melodramatisch. Am Ende fragt man sich auch hier, was genau der Regisseur uns damit sagen will.

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Brasilien 2025
119 min
Regie Marcio Reolon
Bild © Avante Films, Vulcana Cinema

Panorama

PETER HUJAR'S DAY

Peter Hujar – nie gehört? Doch, der Mann war ein berühmter Fotograf. Eines seiner Werke ziert das Cover von Hanya Yanagiharas Roman „Ein wenig Leben“ – sehr lesenswert übrigens. Der Film PETER HUJAR’S DAY basiert auf einem Interview, das die New Yorker Autorin Linda Rosenkrantz 1974 mit Peter Hujar führt. Im Gespräch bittet sie ihn, minutiös zu schildern, was er am 18. Dezember gemacht hat.

Die große Kunst von Ira Sachs‘ Film besteht darin, trotz seiner kurzen Laufzeit von nur 75 Minuten derart langweilig zu sein, dass man schon nach einer halben Stunde hofft, es möge bald vorbei sein. Die einzigen Gründe, sich diesen zähen Panorama-Beitrag anzusehen, sind der charmante 70er-Jahre-Filmlook und die Schauspieler Rebecca Hall und Ben Whishaw.

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USA / Deutschland 2025
75 min
Regie Ira Sachs
Bild © One Two Films

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