Funny Birds

FUNNY BIRDS

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FUNNY BIRDS

Wenn Catherine Deneuve draufsteht und der Film im Original „Au fil des saisons“ heißt, erwartet man eine leichte, sommerliche Komödie. Falsch gedacht. FUNNY BIRDS ist eine Darmödie, die aus unerfindlichen Gründen in den USA spielt.

Ab 27. März 2025 im Kino

Laura (Andrea Riseborough) betreibt mitten im Nirgendwo eine Hühnerfarm. Doch als sie an Krebs erkrankt, muss sich ihre Tochter Charlie (Morgan Saylor) um die Tiere kümmern. Die hat allerdings ganz andere Pläne: Sie will Finanzwesen studieren und kann mit Biohühnern nichts anfangen. Dann taucht auch noch die französische Großmutter (Catherine Deneuve) auf, mit der die kranke Tochter noch ein Hühnchen zu rupfen hat (pun intended).

Funny Birds

Schlechte Drehbücher können manchmal von guten Schauspielern gerettet werden. Doch wenn dazu eine ideenlose Regie und ein uninspirierter TV-Look kommen – nun ja, selbst Madame Deneuve kann nicht zaubern. Die Geschichte dieser drei Frauen, die sich wiederfinden, annähern und lernen, sich zu lieben, hätte tiefgründig und bewegend sein können. Doch stattdessen verzettelt sich FUNNY BIRDS in einer uninteressanten Nebenhandlung über die Hühnerpest.

Funny Birds

Flache Dialoge, zähes Tempo und unglaubwürdige Entwicklungen tun ihr Übriges: So verwandelt sich die genervte Wirtschaftsstudentin, die das Landleben verabscheut, innerhalb weniger Tage in einen Voll-Öko. Die Mutter, zunächst als freigeistige Hippie-Seele gezeichnet, entwickelt plötzlich ein Problem mit Kiffen – und dass der Freund der 20-jährigen Tochter bei ihr übernachten will? Ausgeschlossen! Selbst eine Luftmatratze im Arbeitszimmer ist moralisch höchst bedenklich.

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Erstaunlich, dass es sich beim Regieduo Hanna Ladoul und Marco La Via um zwei erst 34-Jährige handelt. Ihr Film ist so zopfig und mutlos inszeniert, dass man eher einen kurz vor der Pension stehenden ZDF-Regisseur dahinter vermuten würde. Die überraschungsfreie Familiengeschichte bleibt in einem Austausch von Banalitäten stecken und wirkt über weite Strecken fade. Nichts fühlt sich echt an. FUNNY BIRDS bleibt ein flacher Fernsehfilm, der allenfalls für Hühner- und Deneuve-Fans zu empfehlen ist.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Au fil des saisons“
Belgien / Frankreich 2023
93 min
Regie Hanna Ladoul und Marco La Via

Funny Birds

alle Bilder © Filmwelt Verleihagentur

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Ich war zuhause, aber ● La paranza dei bambini ● L’adieu à la nuit ● O Beautiful Night

Jetzt regen sich Journalisten und Zuschauer auf, Fatih Akins‘ neuer Film sei frauenfeindlich.
Meine Güte, es geht um Frauenmorde – frauenfeindlicher geht’s ja schon per Definition nicht!
Dass „Der goldene Handschuh“ kein guter Film ist, ist dann noch mal ein anderes Thema.

Alter Gag: der Protagonist geht über die Straße, man ahnt nichts Böses, und wird RUMMS überfahren. Die Szene kommt gefühlt in jedem zweiten Berlinale-Film vor.

Ich war zuhause, aber

Seit Tagen parkt ein Minibus von ZDFneo am Potsdamer Platz. Ist Jan Böhmermann vor Ort und plant einen Coup? Will er die Berlinaleverantwortlichen bloßstellen und sich über den Kulturbetrieb lustig machen? Wie hat er es nur geschafft, „Ich war zu Hause, aber“ in den Wettbewerb zu schleusen?
Anders ist es nicht zu erklären, dass diese Persiflage (als solche ist sie doch gemeint, oder???) ernsthaft als Beitrag auf der Berlinale läuft. Somnambule Schauspieler tragen mit hohler Stimme Sätze vor wie: „Dann erkannte ich, dass er ein Heizkörper ist. (Pause) Aber Heizkörper sehen anders aus…(Pause) Ich bin froh, dass Sie sein Lehrer sind…“. Nein, das muss man nicht verstehen. Es könnte sich aber auch um ein Lehrvideo für Sprachstudenten handeln. Die überartikulierten Sätze bleiben hallend in der Luft hängen, gerade lange genug, sodass die Schulklasse die entsprechende Übersetzung im Chor aufsagen kann: „I realized, he was a radiator“. Auweia.

Deutschland / Serbien 2019
105 min
Regie Angela Schanelec

La paranza dei bambini (Piranhas)

Der gerade mal 15-jährige Nicola übernimmt mit seiner Jungsgang die Herrschaft im Viertel Sanità in Neapel. Kohle, Designerklamotten und die neuesten Sneaker: das ist es, was zählt. Vom schnellen Reichtum geblendet, verlieren sie bald jegliche Skrupel. Was ist schon ein Menschenleben wert? In ihrer Welt geht es allein um Geld und Macht. La paranza dei bambini zeigt das hoffnungslose Bild einer Jugend mit den falschen Werten. Besonders beeindrucken die Laiendarsteller, die ihre Rollen als Minimafiosi mehr als überzeugend spielen. Der Krieg der Knöpfe ist trotz seines sozialkritischen Themas ausgesprochen unterhaltsames Kino. Guter Film!

Italien 2018
110 min
Regie Claudio Giovannesi

L’adieu à la nuit (Farewell to the Night)

Wie schön kann das Leben sein? Muriel hat eine Reitschule, betreibt eine Kirschbaumplantage und sieht aus wie Catherine Deneuve. Eines Tages kommt ihr Enkel Alex zu Besuch, der sich angeblich auf dem Weg nach Kanada befindet. Schon bald bemerkt Muriel, dass Alex sich verändert hat. Er ist zum Islam konvertiert und verhält sich ihr gegenüber seltsam distanziert. Nach und nach erkennt sie seine wahren Absichten.
Die Geschichte von der Oma, die zu drastischen Mitteln greift, um die IS-Karriere ihres Enkels zu verhindern, ist nicht frei von Klischees: hier die fröhlichen, Rotwein trinkenden Franzosen, da die verbissenen Moslems, immerzu am Predigen. Der Film ist in Kapitel unterteilt: 1. Frühlingstag, 2. Frühlingstag usw., das zieht sich zwischendurch etwas und man fragt sich, wieviele Tage hat so ein Frühling eigentlich? Problematisch ist auch die Figur des Alex. Er bleibt zu unsympathisch, weshalb man der eleganten Catherine nur halbherzig die Daumen für ihre Rettungsmission drückt. Naja.

Frankreich / Deutschland 2019 
104 min
Regie André Téchiné

O Beautiful Night

Wong Kar-Wai meets Himmel über Berlin: Das Spielfilmdebüt des Illustrators Xaver Böhm erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Juri, einem jungen Mann, der jederzeit mit dem plötzlichen Herzstillstand rechnet. Ein klassischer Hypochonder.
Eines Nachts, die Brust schmerzt mal wieder, trifft er in einer Flipperkneipe auf einen trinkfesten Russen. Der behauptet, der TOD höchstpersönlich zu sein und stellt Juri vor die Wahl: „Willst Du sofort sterben oder vorher noch ein bisschen Spaß haben?“ Das mit dem Herzinfarkt kann dann doch noch warten und so begeben sich die Beiden auf eine schräge Tour durch das nächtliche Berlin.
Kompliment an Kamerafrau Jieun Yi und die Postproductionfirma LUGUNDTRUG: So schön menschenleer und kunstvoll stilisiert hat man die Stadt selten gesehen.
Ungewöhnlicher, humorvoller, visuell herausragender Film. Sehenswert.

Deutschland 2019  
89 min
Regie Xaver Böhm